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Århus - Jütlands heimliche Hauptstadt

22.07.2006
Das Quartier Latin Århus © VisitDenmark - Martin Ballund
© VisitDenmark - Martin Ballund
Zweitgrößte Stadt Dänemarks mit 293.000 Einwohnern, größter Containerhafen des Königreiches, Uni-Stadt, Industriestandort und Kulturzentrum mit internationalem Niveau: Århus ist eine quirlige Stadt mit vielen Facetten  und nennt sich stolz „Verdens mindste storby – kleinste Großstadt der Welt“.

Mit dem Århuspass, der einen Tag, zwei Tage oder eine ganze Woche die freie Fahrt im Nahverkehr mit kostenlosem Eintritt bei zahlreichen Sehenswürdigkeiten verbindet, lässt sich die heimliche Hauptstadt Jütlands kinderleicht und kostengünstig entdecken.
Zum ersten Überblick geht es 60 Meter hoch hinauf: Vom Rathausturm schweift der Blick über die Dächer der Stadt hin zu den Wäldern im Norden und Süden, den fischreichen Seen im Westen und den Badestränden der Århusbucht im Osten. Das Rådhus selbst, 1938-42 von Arne Jacobsen und Erik Møller in Stahlbeton erbaut und mit norwegischem Marmor verkleidet, wurde von den Stadtvätern zunächst abschätzig als „salonkommunistischer Pappkarton“ bezeichnet – erst 1994 stellten sie den kantig-grauen Bau als Musterbeispiel für dänischen Funktionalismus unter Denkmalschutz. Dominierendes Wahrzeichen der Innenstadt ist jedoch die gewaltige Domkirche Sanct Clemens, mit 94 Metern Dänemarks längster Sakralbau. Imposant ist auch das Innere des gotischen Gotteshauses. Dicht an dicht schmücken Kalkmalereien in Rostrot und Grün die weißen Wände und Pfeiler; Gold leuchtet der Flügelaltar des Lübecker Meisters Bernt Notke. Während südwestlich des Domes die drei Straßen Ryesgade, Søndergade und Clemens-Torv einen Bummel-Boulevard bilden, der sich im Volksmund wie Kopenhagens Einkaufsmeile Strøget – Strich nennt, schlägt gen Nordosten das junge Herz von Århus: das Latinerkvarter – ein lebendiges Multi-Kulti-Viertel mit Flair.
In die kleinen Häuser zwischen Badstuegade, Graven und Rosengade sind schrille Boutiquen, urige Kneipen und gemütliche Restaurants wie das französisch inspirierte Café Jordan gezogen. Neben Kellerläden, original aus den 1950-er Jahren erhalten, die Käsespezialitäten der Region und fangfrischen Fisch aus der Ostsee verkaufen, bieten Szene-Läden farbenfrohes Design und Zeitgeist-Accessoires für den kleinen und großen Geldbeutel.
Zweites Pflaster der Szenegänger sind die Kneipen und Restaurants entlang der Århus Å, die nach langen Jahren unter Beton wieder freigelegt wurde. Die Straßen um den Frederiks-bjerg werden wegen der zahlreichen Feinkost- und Gourmetgeschäfte auch als Speisekammer von Århus bezeichnet. Neben gemütlichen Bars und Restaurants gibt es hier auch das größte Citycenter Dänemarks: Bruuns Galleri – ein Kaufhaus, fünf Großmärkte, 70 Geschäfte, Bars, Büros und ein CinemaXX-Kino, eingepackt in beste skandinavische Architektur.
Hier Hygge, typisch dänisch gemütlich, dort großstädtisches Getriebe: Diese Mischung macht Århus interessant. Bürobauten in Stahl und Glas funkeln im Fluss; wenige Straßen weiter gaukeln goldgelbe Fachwerkhäuser mit blühenden Stockrosen dänische Dorfidylle vor.
Ein perfektes Ensemble einer Kleinstadt des 16.-19. Jahrhundert lebt nur wenige Schritte von der Innenstadt entfernt im Süden des Botanischen Gartens fort: „Den Gamle By“ bildet mit 75 historischen Häuser aus allen Regionen Dänemarks ein europaweit einmaliges Kleinstadtmuseum. Ein Besuch wird zur Zeitreise für alle Sinne: im Kaufmannshaus aus der Renaissance an Gewürzen schnuppern, im alten Postamt Feriengrüße aufgeben, beim Bäcker Zuckerkringel kaufen, Stelzen laufen und im einstigen Stadttheater von Helsingør eine Oper genießen.
Ganz und gar großstädtisch, nein, weltstädtisch, ist das Århuser Kunstmuseum AroS, das im April 2004 in unmittelbarer Nähe zum Rathaus eröffnete. Der lichtdurchflutete Neubau aus Stein und Glas ist mit 17.700 Quadratmetern eines der größten Kunstmuseen Nordeuropas und zeigt auf zehn Etagen Werke vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Das Untergeschoss birgt Installationen von Weltrang. James Turrell’s „Milk Run“ lässt einen metaphysischen Raum in drei Farben entstehen; bei Bill Violas Videoprojektion „Five Angels for the millenium“ offenbaren sich leuchtende Engel dem geduldigen Betrachter.
Eines der wenigen Frauenmuseen weltweit ist das 1984 eröffnete Kvindemuseet. Mit Teppichklopfern und Dienstbüchern, Liebesbriefen und lila Latzhosen widmet es sich allen Lebensbereichen von Frauen im 20. Jahrhundert.

Im Stenomuseum wird die Wissenschaftsgeschichte von Stonehenge bis zu Niels Bohr zu einer interaktiven Entdeckungsreise. Besucher können babylonische Keilschrift in Ton schreiben, wie Foucault das Pendel schwingen oder eindrucksvolle Lichteffekte der Atomphysik erleben. Unter der elf Meter großen Kuppel des Planetariums präsentiert der „Skymaster“ von Carl Zeiss das nächtliche Firmament als Multimediashow. 350 Arznei- und Heilpflanzen aus aller Welt wachsen auf der Terrasse des Museums.
 Glanzlichter im kulturellen Jahreslauf setzen zahlreiche Festivals. Höhepunkt seit mehr als 40 Jahren ist die Århuser Festwoche. Zehn Tage lang Ende August/Anfang September lebt die Stadt im Rhythmus von Musik, Schauspiel, Ballett und bildener Kunst, swingt und staunt, lauscht, lacht und applaudiert. Straßen und Plätze, Gassen und Gärten werden ebenso zur Bühne der internationalen Spitzenstars und lokalen Künstlern wie die Konzertsäle und Theaterbühnen der Stadt.
Hinter der transparenten Glasfront des Musikhuset locken von September bis Juni die Konzerte des städtischen Symphonieorchesters, die Aufführungen der Jyske Opera und Gastspiele weltbekannter Künstler aller Stilrichtungen.
Wollten sich die Århuser früher vom Lärm ihrer Stadt erholen, fuhren sie mit der Pferdekutsche oder der neuen elektrischen Straßenbahn zur Waldgaststätte „Terrassen“. Heute ist der idyllische Holzpavillon umgeben von den Vergnügungen im Tivoli Friheden, der 2004 sein 100-jähriges Bestehen feierte. Jahr für Jahr ergänzen neue Attraktionen den Fun-Park für die ganze Familie, 2004 zuletzt ein Wasser-Plantsch-Bau-Spiel-Boots-Land.
Ebenfalls im Wald von Marselis liegt das Schloss, in dem die dänische Königin Margarethe II. oft ihre Sommer verbringt: Marselisborg. Dann wechselt auch vor der strahlend weißen Residenz wie sonst vor dem Kopenhagener Schloss Amalienburg täglich Punkt 12 Uhr die fellbemützte Leibgarde der Königin – mit einem entscheidenden Unterschied: Die Touristenscharen fehlen.
Rund zehn Kilometer lang säumen die Marseliswälder die Küste, unterbrochen von Badestränden und einladenden Ausflugsgaststätten. Sie enden am Forhistorik Museum Moesgård, das die Geschichte der Vorzeit chronologisch von der Stein- über die Bronze- und Eisenzeit zur Wikingerzeit erzählt. Star des modern konzipierten Prähistorischen Museums ist der „Grauballemann“. Unerwartet gut erhalten und konserviert liegt die 2.000 Jahre alte Moorleiche unter Glas. Wie er einst an den Gestaden der Ostsee gelebt hat, verrät ein sieben Kilometer langer Lehrpfad zur Ostsee vorbei an der rekonstruierten Stabkirche von Hørning, einem Stadthaus aus Haitabu bei Schleswig, einem Grubenhaus sowie Grabstätten aus dem 10./11. Jahrhundert.
Alljährlich am letzten Juliwochenende verwandelt das Museum den Strand von Moesgård zum „Vikingetraef“. „Wikinger“ aus allen skandinavischen Ländern und Großbritannien zeigen zwei Tage ihr Können im Gebrauch von Waffen und beim Reiten, verkaufen zeittypisches Kunsthandwerk und Wikingerschmuck auf dem Olavsmarkt und feiern zusammen, während ihre stolzen Schiffe sanft auf den Wellen der Ostsee schaukeln.

Quelle: VisitDenmark (Hilke Maunder) / bearbeitet von pairola-media

zur Verfügung gestellt von travianet.de
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